Integration und Sprache

Inhalt

  1. Zum Begriff der Integration
  2. Zum Begriff der Sprache
  3. Der Zusammenhang von Sprache und Integration
  4. Faktoren zum erfolgreichen Spracherwerb
  5. Zur Bedeutung der Muttersprache für den Zweitspracherwerb
  6. Weitere Sprachförderung in Österreich
  7. Zur Bildungssituation von Migrantenkindern in Österreich
  8. Sprachkursangebote und -trainings des Verein menschen.leben

Zum Begriff der Integration

Die Bedeutung des Wortes „Integration“ in Zusammenhang mit Migration ist keineswegs eindeutig und stets Produkt gesellschaftlicher Debatten und Aushandlungen. Grundsätzlich kann der Begriff der Integration in „soziale Integration“ einerseits und „Systemintegration“ andererseits unterschieden werden. Soziale Integration bedeutet das Einschließen von Akteuren in ein bereits bestehendes Sozialgefüge, wie etwa in eine Bildungseinrichtung oder eine berufliche Tätigkeit in einem Betrieb. Darunter sind weitere vier Typen von individueller Sozialintegration zu unterscheiden. Im Falle der Marginalität kommt es weder zu einer Inklusion in die Aufnahmegesellschaft noch in die ethnische Gruppe. Kommt es zu einer Inklusion in die eigene ethnische Gruppe bei gleichzeitiger Exklusion aus der Aufnahmegesellschaft liegt eine ethnische Segmentation vor. Im Falle einer Assimilation erfolgt eine ausschließliche Inklusion in die Aufnahmegesellschaft bei gleichzeitiger Exklusion aus der ethnischen Gruppe. Ist eine Inklusion in beide Systeme erfolgt – in die Aufnahmegesellschaft und in die ethnische Gruppe – liegt eine multiple Inklusion vor.

Das Gelingen von sozialer Integration wird dabei wesentlich von zwei Faktoren beeinflusst: zum einen von den von Migranten gesetzten Aktivitäten und zum anderen von sozialen Bedingungen wie Anreizen, Möglichkeiten und den damit verbundenen Kosten. Die aufzubringenden Kosten werden in Betracht gezogen, da Migranten zwar dieselben Ziele wie Einheimische erreichen wollen (z.Bsp. ökonomischen Wohlstand), zumeist aber über weniger Ressourcen bzw. Human-Kapital als diese verfügen. Hier nimmt vor allem die Sprache eine entscheidende Rolle ein. Auf Grund dieser Überlegungen wird daher entweder der Status quo beibehalten, oder entschieden in eine zu erwerbende Ressource zu investieren.

Bei der Systemintegration geht es um den Zusammenhalt bzw. die Einheit verschiedener Teile innerhalb eines ganzen Systems. Gesellschaft besteht so verstanden aus mehreren Teilsystemen, die sich weiter ausdifferenzieren, je komplexer die Gesellschaft wird. Im Hinblick auf verschiedene ethnische Gruppierungen kann es dabei zu zwei Formen von Differenzierung kommen. Liegt eine plurale Differenzierung vor, leben verschiedene Bevölkerungsgruppen selbstständig nebeneinander und haben ihre eigenen Institutionen. In diesem Fall kommt es zu einer Parallelgesellschaft. Für moderne Gesellschaften typisch ist hingegen die zweite Form, die funktionale Differenzierung. Auch in diesem Fall gibt es verschiedene Sphären, die jedoch in Abhängigkeit voneinander agieren und die nicht einzelnen Bevölkerungsgruppen zuordenbar sind.

Gibt es in einer Gesellschaft unterschiedliche Verteilungen in Bezug auf Chancen und Erfolg in einem bestimmten Bereich wie Bildung, Einkommen, Zugang zu den zentralen Institutionen etc., liegt eine vertikale bzw. auch ethnische Schichtung vor. Dazu kommt es, wenn ethnische und kulturelle Merkmale in direktem systematischem Zusammenhang mit Ungleichheiten in diesen gesellschaftlichen Bereichen stehen. Liegen hingegen Unterschiede im horizontalen Bereich vor wie etwa religiöse Überzeugungen oder kulturelle Gewohnheiten, spricht man von ethnischer Vielfalt.

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Zum Begriff der Sprache

In unserer schriftkulturell geprägten Gesellschaft gewährleistet v.a. das Beherrschen der Schriftsprache Zugang zur Gesellschaft bzw. Integration dieselbe. In der öffentlichen Debatte wird das Sprachvermögen von Migranten häufig im Rahmen der Ein- bzw. Zweisprachigkeit diskutiert, was aus Sicht der Sprachwissenschaft für eine fundierte Betrachtung der Mehrsprachigkeit von Migranten nicht ausreichend ist.

Einzelsprachen wie Deutsch oder Türkisch, die auf den ersten Blick als in sich geschlossen erscheinen, sind als ein Bündel von sprachlich übereinstimmenden Erscheinungsformen (=Varietäten) zu verstehen. Die jeweilige Varietät ist wiederum von der Kommunikationssituation, den beteiligten Akteuren, der sprachlichen Situation und dem Ort der Kommunikation abhängig. Sprachliche Varietäten, die mit der sprachlichen Kommunikationssituation korrelieren, werden in der Sprachwissenschaft als Register bezeichnet. Darüber hinaus gibt es noch drei situative Typen: Die formelle Öffentlichkeit der gesellschaftlichen Institutionen, die informelle Öffentlichkeit des alltäglichen Umgangs miteinander in der Arbeit, auf der Straße etc. und der intime Bereich des Umganges miteinander in der Familie.

Die Varietät des formellen Registers ist die Schriftsprache. Sie wird von den politischen Institutionen als Varietät festgelegt und suggeriert eine Einheitlichkeit der Einzelsprache. Das formelle Register der Schriftsprache muß sich dabei nicht zwangsläufig mit dem alltäglichen Sprachgebrauch im intimen oder informellen Bereich decken. Es kann daher zu neuen Varietäten im mündlichen Sprachgebrauch von Migranten kommen, die anders sind als die Varietäten der Herkunftsgesellschaften z.Bsp. „Österreichtürkisch“.

Wenn Migranten im intimen oder informellen Bereich nicht die Verkehrssprache (Deutsch) sprechen ist das per se kein Integrationshindernis. Dies wird es nur, wenn ihnen dadurch der Zugang zu den öffentlichen Institutionen verwehrt bleibt. Der Umstand, daß das formelle Register keine Ausbauform der Varietät des informellen und intimen Bereichs ist, erschwert häufig das Erlernen der Schriftsprache von Migranten. Zusätzlich erschwert wird dieser Lernprozess wenn die eigene Herkunftssprache keine schriftliche Form hat oder es keinen analytischen Zugang zur Schriftsprache gibt bzw. die Familie generell bildungsfern ist.

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Der Zusammenhang von Sprache und Integration

Abgesehen von der Schriftlichkeit ist Sprache generell gesehen ein wichtiger Faktor von Integration. Sprache übernimmt dabei die Rolle eines alltäglichen Kommunikationsmittels, stellt eine wichtige Ressource etwa im Bereich Bildung und Arbeitsmarkt dar, ist identitätsstiftend, symbolisiert Zusammengehörigkeit und ist verantwortlich für Ungleichheiten im Zugang zu Bildung, Einkommen, zentralen Institutionen und gesellschaftlicher Anerkennung.

Im Bereich der Bildung stellt die Sprache eine wertvolle Ressource dar, da der Unterricht zumeist in der jeweiligen Landessprache abgehalten wird. Schulische Leistungen hängen daher, unabhängig von anderen Faktoren wie bspw. der Lernumgebung zu Hause, direkt von den landessprachlichen Kompetenzen ab. Positiv beeinflusst werden sprachliche schulische Leistungen auch von einem niedrigen Einreisealter und höherer Bildung der Eltern, negativ hingegen durch eine Konzentration von Kindern in einer Klasse, die die Landessprache nicht ausreichend beherrschen.
Ungünstige Umstände verstärken sich zwar in ihrer negativen Wirkung gegenseitig, diese Negativspirale kann aber leicht durchbrochen werden, sobald sich auch nur ein negativer Aspekt verbessert.

Auch für den Erfolg am Arbeitsmarkt spielt die Sprache eine zentrale Rolle, so kommen oftmals im Herkunftsland erworbene Kompetenzen auf Grund sprachlicher Defizite nicht zum Einsatz bzw. kann dies auch dazu führen, dass Migranten keinen ihrer Ausbildung entsprechenden Job finden, weil in diesem Segment spezifische Sprachkenntnisse erforderlich sind.

Für eine erfolgreiche Sozial- und Systemintegration ist daher der Erwerb der Aufnahmeland-Sprache von zentraler Bedeutung, nicht zuletzt auch wegen ihres symbolischen Charakters bzw. der Stiftung kollektiver Identifikation.  Das Gelingen von Integration kann aber nicht dem Erlernen der Landessprache allein zugeschrieben werden, sondern wird nur dann funktionieren, wenn zusätzlich weitere Variablen erfüllt sind. Dazu gehören die Möglichkeiten sozialer Partizipation, wie die Beteiligung an Ausbildung, beruflicher Tätigkeit oder politischer Willensbildung, was wiederum eng mit einer allgemeinen Partizipationskompetenz verbunden ist (soziale, intellektuelle oder auch sprachliche Fähigkeiten). Für eine gelungene Integration ist weiters der gesellschaftliche Status einer Person wichtig, was sich am Grad der Akzeptanz und Anerkennung im öffentlichen oder privaten Bereich bemißt. Letztlich ist aber auch die Integrationsbereitschaft, sowohl seitens der Aufnahmegesellschaft als auch der Migranten eine nicht zu vernachlässigende Komponente.
Die verschiedenen Faktoren und Variablen sind dabei zum Teil voneinander abhängig, so nützt bspw. Partizipationskompetenz wenig, wenn es kaum Gelegenheiten zum partizipieren gibt.

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Faktoren zum erfolgreichen Spracherwerb

Damit eine Landessprache erfolgreich gelernt werden kann bedarf es geeigneter Lernangebote, einer ausreichenden Sprachpraxis, sowie der Förderung der Muttersprache und deren Berücksichtigung im Prozess des Zweitsprachlernens.

Zusätzlich hemmen oder begünstigen bestimmte Faktoren den Erwerb der Landessprache der Aufnahmegesellschaft, wie etwa das Einreisealter von Kindern. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen geht hervor, dass Kinder v.a bis zum Alter von 10 bis 12 Jahren eine Zweitsprache wesentlich leichter erlernen als Erwachsene. Auch die Aufenthaltsdauer bzw. die Bleibeabsicht in der neuen Gesellschaft haben dabei großen Einfluss auf den Lernerfolg – je länger die Aufenthaltsdauer bzw. Bleibeabsicht, desto erfolgreicher der Spracherwerb. Weisen die Eltern einen hohen Bildungsgrad auf oder verfügen selbst bereits über gute Sprachkenntnisse hat dies ebenso einen positiven Effekt auf den Lernerfolg der Kinder. Analog dazu hat auch der eigene im Aus- oder Inland erworbene  Bildungsgrad Auswirkung auf den Lernerfolg. Gab es bereits im Herkunftsland die Möglichkeit sich mit der Sprache des Aufnahmelandes vertraut zu machen, wirkt sich auch dies positiv aus. Grundsätzlich erschweren hohe linguistische Distanzen zwischen Erst- und Zweitsprache den Spracherwerb ebenso, wie sozio-kulturelle Distanzen bzw. ein fremdenfeindliches Klima in der Aufnahmegesellschaft. Kann die eigene Sprache im Aufnahmekontext problemlos übernommen werden, wie es bspw. bei der englischen Sprache der Falle, oder kommt es zu einer hohen ethnischen Konzentration im Wohnumfeld und damit einhergehender binnenethnischer Kommunikation, ist dies ebenfalls als tendenziell hinderlich für den Spracherfolg zu bezeichnen.

Grundsätzlich ist zu sagen, je fortgeschrittener die Einwanderergeneration, desto höher sind die Zweitsprachkompetenzen, was mit einer gesteigerten Motivation, hervorgerufen durch die längere Aufenthaltsdauer, besseren Lernopportunitäten und geringeren sozialen und kulturellen Kosten, zu begründen ist. Zu erhöhter Lernmotivation tragen allgemein die Aussichten auf die durch den Spracherwerb zu erzielenden Erträge auf dem Arbeitsmarkt etc. bei, sowie die in Betracht gezogenen Kosten (vgl. Kapitel zur Integration).

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Zur Bedeutung der Muttersprache für den Zweitspracherwerb

Eine wichtige Rolle beim Erwerb der Zweitsprache, sowie für die Identität und das Selbstbewusstsein spielt auch die Muttersprache. Erfolgreiche frühe Prozesse von Zweisprachigkeit führen zu besseren Leistungen im Erwerb von weiteren Fremdsprachen. Kinder die bis zum Alter von acht, neun Jahren ein gefestigtes Muttersprachenniveau haben sind erfolgreicher im Zweitspracherwerb als Kinder, deren Muttersprachenentwicklung nicht gefördert wurde. Neben der Förderung der Zweisprachigkeit wird auch dem bilingualen Unterricht eine positive Rolle zugeschrieben, so kann dieser in der Klärung von Fachausdrücken nützlich sein.

In Österreich gibt es den Muttersprachunterricht seit dem Jahr 1972, als dieser in Vorarlberg zur Erleichterung der Rückkehr von Gastarbeiterkindern, eingeführt wurde. Es ist dabei offenkundig, wie sehr sich die öffentliche Bewertung des Muttersprachunterrichts für die Migrantenkinder und die Integration – in diesem Fall auf die österreichische Gesellschaft bezogen – verändert haben. Heute gibt es 405 Muttersprachenlehrer die 22 verschiedene Sprachen unterrichten. Der Unterricht ist freiwillig, was ein Erklärungsansatz dafür sein könnte, warum nur 15% der Migrantenschüler daran teilnehmen (vgl. Die Zeit Nr.16 vom 14.04.2011). In zwanzigsten Wiener Bezirk startete zur Hervorhebung der Bedeutung und auch Wertschätzung von verschiedenen Einwanderersprachen an der Volksschule „Europaschule“ das Projekt „Sprachkarussel“. Dabei lernen acht- bis zehnjährige Kinder während eines Schuljahres eine Fremdsprache ihrer Wahl kennen, wobei die eigene Muttersprache nicht gewählt werden darf.

Abgesehen von solchen vereinzelten Projekten ist muttersprachlicher Unterricht auch institutionell geregelt und hat die Sprachfestigung und Erweiterung zum Ziel, sowie die Förderung der Zweisprachigkeit und das Aufzeigen der Vorteile von Zweisprachigkeit und Bikulturalität. In Volks-, Sonder-, Polytechnischen-, Hauptschulen sowie in AHS- Ober- und Unterstufe enthalten die Lehrpläne einen Fachlehrplan für muttersprachlichen Unterricht. BMS und BHS haben auch ohne vorhandenen Lehrplan die Möglichkeit muttersprachlichen Unterricht schulautonom anzubieten.

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Weitere Sprachförderung in Österreich

Gemäß der letzten Volkszählung von 2001 verwenden 88,6% der österreichischen Wohnbevölkerung ausschließlich Deutsch als Umgangssprache, 8,6% neben Deutsch noch eine andere und 2,8 % nur eine andere Sprache. In den Pflichtschulen sind im Schuljahr 2004/05 16,7% Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch vertreten, in den Volksschulen sind es 17,4 %, in den Hauptschulen 15,1%, in den Sonderschulen 24,0% und in den AHS 10,2%.

Die Sprachförderung von Schüler mit einer anderen Erstsprache als Deutsch beruht im schulischen bzw. vorschulischen Bereich vornehmlich auf drei Säulen:
–  dem muttersprachlichen Unterricht (vgl. voriges Kapitel)
–  dem Förderunterricht Deutsch als Zweitsprache
–  dem Unterrichtsprinzip „Interkulturelles Lernen“

Die Kindergärten haben die gesetzlich definierte Aufgabe, den Schuleintritt vorzubereiten. Da die Organisation der Kindergärten in die Länderkompetenz fällt, gibt es keine gesamtösterreichische Dokumentation über die Fördermaßnahmen von Kindern mit Migrationshintergrund. Zu nennen ist jedoch ein bundesweites Projekt, das die sprachlichen Fähigkeiten mittels einer sogenannten Sprachstandsfeststellung bereits ein Jahr vor dem Schuleintritt erhebt. Wenn das Kind sich dabei nicht ausreichend auf Deutsch verständigen kann, wird den Eltern empfohlen, spezielle Fördermaßnahmen in Anspruch zu nehmen, die in den Kindergartenalltag integriert sind (Projekt „Sprich mit mir“).

Im Volksschulbereich gibt es einen Lehrplanzusatz: „Deutsch für Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache“ und für die Hauptschulen und AHS-Unterstufe „Besondere didaktische Grundsätze, wenn Deutsch Zweitsprache ist“. Der Förderunterricht in Volks- und Hauptschulen kann parallel, integrativ oder additiv zum Unterreicht im Ausmaß von bis zu 12 Wochenstunden angeboten werden. In der AHS-Unterstufe kann die Deutschförderung in Kursform oder integrativ erfolgen, in einem Höchstausmaß von 48 Unterrichtsstunden je Unterrichtsjahr, was von der Schule autonom festgelegt wird. Ab 2006 gibt es auch die Möglichkeit in der AHS-Oberstufe „Deutsch als Zweitsprache“ als unverbindliche Übung anzubieten.

Im Bereich der Sprachförderung von Erwachsenen ist zum einen ein verpflichtend zu erwerbendes Deutschniveau im Rahmen der Integrationsvereinbarung zu nennen, welches sich mit dem Fremdenrechtspaket 2011 bzw. mit dem 01.07.2011 verändert hat. Neuzuwanderer haben seitdem bereits vor Zuzug Deutschkenntnisse auf dem Niveau A1 des europäischen Referenzrahmens für Sprachen vorzuweisen, damit ein Erstaufenthaltstitel ausgestellt wird. Das für alle Aufenthaltstitel verpflichtende Modul 1 der Integrationsvereinbarung schreibt als zu erlangendes Sprachniveau A2 vor und muss binnen zwei Jahren erbracht werden. Neben den Deutsch-Integrationskursen zur Erfüllung der Integrationsvereinbarung gibt es auch Sprachförderung in anderen Einrichtungen wie zBsp. dem „Alphazentrum für MigrantInnen“ in der Volkshochschule Ottakring oder die „Mama lernt Deutsch“ Sprachkurse in Wien.

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Zur Bildungssituation von Migrantenkindern in Österreich

Im vom Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) erstellten Bildungsbericht 2009 wird u.a. spezifisch die Bildungssituation von Kindern mit Migrationshintergrund dargestellt. Die Ausführungen beziehen sich dabei auf die beiden Schulleistungsuntersuchungen PIRLS (10-jährige Schüler) und PISA (15-jährige Schüler). Der Begriff des „Migrationshintergrunds“ definiert sich darin danach, ob die Eltern im Ausland geboren wurden.  Im Jahr 2006 haben den Ergebnissen der PIRLS- und PISA-Studien zufolge 17% der 10-jährigen und 13,2% der 15-jährigen Kinder einen Migrationshintergrund.

Mit 46% waren die meisten Kinder der ersten Generation, definiert als selbst im Ausland geboren, bei ihrem österreichischen Schuleintritt bis zu drei Jahre alt. Insgesamt verbringen 2/3 der Kinder ihre gesamte Schullaufbahn in Österreich. 24% der 10-jährigen sprechen zu Hause auch, und 2% nur eine andere Sprache als Deutsch, wobei die größten Minderheitensprachgruppen nach wie vor in Verbindung mit der Gastarbeiterwelle stehen. Unter den 15-jährigen sprechen nur 10% zu Hause eine andere Sprache sprechen als Deutsch.

Insgesamt steigt die Schüleranzahl mit einer anderen Erstsprache als Deutsch: In der Volksschule zwischen 1993 und 2007 um fast die Hälfte, in der AHS ist diese Gruppe jedoch immer noch unterrepräsentiert. Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch verteilen sich sehr unterschiedlich auf die Schultypen. Türkisch und BKS (Bosnisch-Kroatisch-Serbisch) sprechende Kinder sind besonders in Sonder-, Haupt- und Polytechnischen Schulen überrepräsentiert, in AHS und BHS hingegen deutlich unterrepräsentiert.
Auf Grundlage der im Zuge von PISA 2006 erhobenen Daten haben 13% der 15-jährigen ohne Migrationshintergrund eine Klasse wiederholt, bei den Kindern mit Migrationshintergrund sind es bereits 23%. Unter den BKS sprechenden Kindern befinden sich 18% Repetenten, während es bei den türkisch sprechenden Schülern fast jeden dritten bzw. 30% betrifft. Insgesamt ist die Bildungssituation für Mädchen mit Migrationshintergrund besser als für Burschen. Sie sind häufiger in den BHS und AHS vertreten, brechen aber öfter ihre Schulkarriere frühzeitig ab. Einen Unterschied in der Bildungsbeteiligung gibt es auch nach Wohnraum, so ist die Teilnahme an Institutionen höherer Bildung im städtischen Raum größer als im ländlichen Raum. Ähnlich verhält es sich hinsichtlich der Bundesländer: in Wien besuchen mehr Kinder der zweiten Generation eine AHS als in den westlichen Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Salzburg.
Die Leseleistung der Schüler der zweiten Generation gegenüber Kindern ohne Migrationshintergrund ist geringer (42 Punkte Unterschied) als zwischen der ersten Generation und Kindern ohne Migrationshintergrund (56 Punkte Unterschied). Bezüglich aller Leistungsdomänen (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaft und Problemlösen) gibt es allerdings kaum einen Unterschied zwischen der ersten und zweiten Generation, was bedeutet, dass v.a. der Unterschied zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund auffällig ist. Interessant sind hierbei die verschiedenen Bildungsabschlüsse der Eltern, so weisen die Eltern, der im Rahmen von PISA 2006 befragten Schüler der zweiten Generation geringere Bildungsabschlüsse auf als jene der ersten Generation. Im Rahmen der PIRLS-Studie 2006 schneiden generell mehrsprachige Kinder schlechter als einsprachige ab, wobei Mehrsprachigkeit aber nicht automatisch zu geringerem Schulerfolg führen muss. In Neuseeland bspw. sind 79% der Kinder mehrsprachig (in Österreich 26%), sie erreichen aber mit 559 Punkten eine bessere Leseleistung als einsprachige Kinder in Österreich.

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Sprachkursangebote und -trainings des Verein menschen.leben

Der Verein Menschen.Leben hat den Umstand, dass die Sprache des Herkunftslandes einen wichtigen Schlüssel zur erfolgreichen Integration darstellt, u.a. in sein Tätigkeitsfeld aufgenommen. In verschiedenen Kursangeboten und Trainings unterstützen wir unsere Klienten beim Erwerb der deutschen Sprache bzw. bei der Festigung und Erweiterung ihrer bereits vorhandenen Kompetenzen. Um den verschiedenen Zielgruppen und Bedürfnissen gerecht zu werden hat sich im Laufe der Zeit ein differenziertes, niederschwelliges und kostenloses Angebot etabliert, welches regelmäßig und mit großem Interesse nachgefragt wird.

In den westlichen Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Salzburg bieten wir seit kurzem Deutschkurse für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte an. Die Zielgruppe kann dabei nach Zuerkennung des entsprechenden Status und je nach individuellen Bedürfnissen entweder einen Alphabetisierungskurs besuchen oder sich auf dem Niveau A1 bzw. A2 weiterbilden bzw. sich auf die Integrationsprüfung vorbereiten. Alle Deutschkurse sind kostenlos, des weiteren werden Fahrtkosten refundiert und Unterrichtsmaterialien bereit gestellt. Ziel dieses Angebotes ist es den Zugang zur Mehrheitsgesellschaft zu erleichtern, damit sich die Klienten möglichst rasch heimisch fühlen können.

Im Bereich der Flüchtlingsbetreuung bieten wir täglich ein Deutschtraining an. Auf Grund der unterschiedlichen Erfahrungshintergründe, persönlichen Situationen und Bedürfnisse wird das Angebot bestmöglich an die Klienten angepasst. Das Erlernen von Grundkenntnissen der deutschen Sprache soll den Flüchtlingen zum einen eine gemeinsame Sprache geben, die eine ebenbürtige Kommunikation untereinander ermöglicht und dem Tag eine Struktur geben. In den Einrichtungen wird besonders die Mündigkeit der Klientinnen gefördert, damit diese sich selbstständig und selbstbewußt im Alltag und auch bei Behörden bewegen können.

Die Einrichtung Blitz bietet in ihren Räumlichkeiten vom AMS finanzierte „Basisbildungskurse“ an. Nach erfolgter Anmeldung beim AMS erwerben Migranten im Ausmaß von 2,5 Stunden jeweils Montag bis Freitag in einem Zeitraum von fünf Monaten Grundkenntnisse in Mathematik, Computeranwendung, deutscher Grundgrammatik, lesen und schreiben. Ziel ist es Personen den (Wieder-) Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, wobei Frauen eine besondere Zielgruppe darstellen. Mit diesem Angebot möchten wir diese v.a. dabei unterstützen sich selbstständig in der österreichischen Gesellschaft zu bewegen und durch die erworbenen Kenntnisse bessere gesellschaftliche Chancen zu erzielen. Mit modernsten Unterrichtsmaterialen, gut qualifiziertem Personal und unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse werden so die Qualität der gebotenen Kurse und der Lernerfolg sichergestellt.

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